Umbruch auch auf Kosten der Qualität

Foto: Oliver Kugland, Alo Weusthof, Norbert Borken und Reinhard Kues (v. l.). 
Über 90 Prozent der Fußballer am Jugendleistungszentrum kommen jetzt aus dem Emsland
„Wo Emsland draufsteht, sollte auch Emsland drin sein!“ Alo Weusthof, der Sportliche Leiter des Jugendleistungszentrums Emsland (JLZ), beschreibt eine Veränderung. Doch die Verkleinerung des Einzugsgebiets für Spieler hat sportliche Folgen. Zumal nach Einschätzung des Fußball-Lehrers noch nicht alle besten Spieler der Region für das JLZ auflaufen.
„Im Sommer hat ein brutaler Umbruch stattgefunden“, erklären Weusthof, Oliver Kugland (Finanzen), Norbert Borken (Organisation) und Reinhard Kues (Spielbetrieb). Damit verwiesen sie zum einen auf das verkleinerte Einzugsgebiet, das jetzt neben dem Emsland bestenfalls noch Randgebiete der Nachbarkreise sowie die Grafschaft Bentheim umfasst, und zum anderen den Wechsel fast des gesamten Trainerstabs im Sommer. Nur Stefan Lammers und Kersten Kuhl sind geblieben. Fast vier Monate habe das JLZ gebraucht, um ein neues Trainerteam aufzubauen, sagt Borken. Die Anforderungen wie etwa Lizenz seien hoch. Daher sei wenig Zeit geblieben, sich um externe Talente zu kümmern. Im Jungenbereich verfüge das JLZ mit Michel Kuper über einen engagierten Physiotherapeuten sowie mit Günter Weist über einen Athletik-Trainer, der jede Serie für jedes Team zweimal eine Leistungsdiagnostik erstelle.
Mit der Verkleinerung des Einzugsgebiets geht auch eine Verringerung der Fahrtkosten einher. Beim „Abenteuer Bundesliga“ der U 19 in der Serie 2014/15 sei der Radius noch größer gewesen. Da kamen noch drei Spieler aus Oldenburg sowie Talente nicht nur aus dem südlichen Ostfriesland.
Weusthof spürt Folgen
Der Anteil aller Talente, die aus dem Emsland kommen, beträgt nach Angaben von Kugland zurzeit 85 Prozent. Vor einem Jahr seien es 73 Prozent gewesen. Wenn er nur die männlichen Spieler nehme, liege die Quote bei über 90 Prozent – auch die Bundesliga-B-Juniorinnen sind dem JLZ angegliedert.
Weusthof sagt: „Dieser Umbruch ging auch auf Kosten der Qualität.“ Dennoch steht er zur Entscheidung. Die Folgen bekommt der JLZ-Leiter als Trainer der U 19 zu spüren. Sein Team belegt einen Abstiegsplatz in der Regionalliga. „Es ist die jüngste Mannschaft der Klasse“, verweist Kues darauf, dass nur sechs Spieler zum älteren Jahrgang gehören. „Andere Vereine spielen oft nur mit dem älteren Jahrgang.“ Zudem habe das Emsland schon wegen der geringeren Einwohnerzahl im Vergleich mit Großstädten und Ballungsgebieten einen erheblichen Standortnachteil.
Ziel der U 19 bleibt für Weusthof, der in seiner Laufbahn noch nie abgestiegen ist, der Klassenerhalt in einer starken Liga. Lukas Siemers (JFV Leer), Niklas Janßen (Raspo Lathen), Dennis Bahns (VfL Emslage), Lukas Scholübbers (Sparta Werlte) haben das JLZ verlassen. Dafür stoßen Ruben Morales, ein US-Boy aus Lingen, Giorgio Beltau aus dem niederländischen Grenzgebiet, der schon beim 1. FC Mönchengladbach in der Bundesliga und bei Twente Enschede spielte, sowie Ismael Konate, ein in Wietmatschen lebender Ivorer (Elfenbeinküste), der in Braunschweig kurzzeitig unter dem ehemaligen Bayern-Spieler Rainer Zobel trainierte.
Posipal neuer Co-Trainer
Um den Sprung von der U 17 in die U 19 zu erleichtern, wäre für die Verantwortlichen ein Aufstieg der B-Junioren in die Regionalliga wichtig. Bei der U 17 wird künftig SVM-Spieler Patrick Posipal Coach Bernd Voss unterstützen. Der bisherige Ko-Trainer Jens Winkel hat sich aus beruflichen Gründen verabschiedet. Die U 15 spielt in der Landesliga.
Auch wenn die Verantwortlichen oft Kompromisse eingehen müssten wie bei der Belegung der Trainingsplätze oder der knappen Zahl an Umkleidekabinen und anderen Räumen, habe sich in den letzten Monaten einiges bewegt: Nicht nur, weil vier Talenten der U 15 und U 17 Anfragen von Proficlubs wie Hamburg, Schalke, Hannover, Bremen, Freiburg oder Osnabrück vorliegen. „Unsere Ausbildung wird anerkannt“, sagt Weusthof.
„Die Kommunikation zwischen Mannschaften und Trainern ist gut“, sagt Kugland. „Offene Türen gebe es auch zwischen den Teams. Zurzeit trainierten drei A-Junioren regelmäßig im Meppener Regionalligakader mit. Chefcoach Christian Neidhart und der SVM-Vorstand hätten mit ihnen über die Zukunft gesprochen. „Wir wollen die Spieler auf den Spitzenfußball vorbereiten“, weiß Weusthof, dass die Talente auch für andere Clubs des Kreises interessant sind.
Vereine sind Scouts
Der 57-Jährige hätte gern die „Besten des Emslandes“ am JLZ. Das gelinge noch nicht immer. Es gelte Spieler und Vereine zu überzeugen. „Die Clubs sind unsere eigentlichen Scouts“, betont Kugland. Weusthof weiß: „Die Ausbildung auf und neben dem Platz steht im Vordergrund. Am besten entwickeln sich Spieler in einer starken Truppe.“
Autor: Uli Mentrup